Erstes Gedenkzeichen und Weiternutzung

Unmittelbar nach der Befreiung hatten Gefangene im Hinrichtungsraum des Strafgefängnisses Wolfenbüttel ein erstes Gedenkzeichen mit folgender Inschrift aufgestellt:
„Gedenket der Hingerichteten. In viereinhalb Jahren über 550 Menschen. Ruhet Sanft.“
Nach dem Ende der Hinrichtungen 1947 nutzte das Strafgefängnis bzw. die Justizvollzugsanstalt die Räume der früheren Hinrichtungsstätte u.a. als Entlausungsstation und als Werkstatt.
Errichtung der Gedenkstätte

Ende der 1970er Jahre bemängelten Überlebende und die Stadt Wolfenbüttel den Zustand des Gebäudes und forderten eine würdige Gestaltung sowie die Einrichtung eines Gedenkortes. 1984 wurde in der JVA Wolfenbüttel ein neues Wirtschaftsgebäude am Ort der ehemaligen Hinrichtungsstätte geplant. Dagegen kämpften Opferverbände, engagierte Bürgerinnen und Bürger, Gewerkschaften und die Stadt Wolfenbüttel. Der Protest war erfolgreich: Im Mai 1986 wurden die Abrisspläne verworfen. Am 24. April 1990 wurde in den Räumen des ehemaligen Hinrichtungsgebäudes die Gedenkstätte mit einer Ausstellung zum Thema „Nationalsozialistische Justiz und Todesstrafe“ eröffnet. Mit einer Dauerausstellung zu Justiz und Strafvollzug im Nationalsozialismus im Hafthaus III wurde die Gedenkstätte erweitert. Die im Jahr 2012 begonnene Neugestaltung wurde 2019 mit der Eröffnung eines neuen Dokumentationszentrums abgeschlossen.
Gedenkfeiern

Am 50. Jahrestag der Befreiung des Strafgefängnisses Wolfenbüttel gab die Kolpingfamilie Wolfenbüttel das öffentliche Versprechen ab, jedes Jahr an einem Tag in der Karwoche an die Hingerichteten zu erinnern. Seit 1995 finden gemeinsame Gedenkgottesdienste der Kolpingfamilie, der St. Petrus Kirchengemeinde, Amnesty International und der Gedenkstätte statt.
Seit 2016 treffen sich Angehörige ehemaliger Gefangener und Hingerichteter jährlich auf Einladung der Gedenkstätte bei „Familientreffen“. Mehr Informationen zu den Angehörigen finden Sie hier.
