• Dachzeile Historische Orte außerhalb des Strafgefängnisses

Weitere Außenorte

© Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel

Neben den bereits genannten historischen Orten gibt es viele weitere Plätze in der Umgebung von Wolfenbüttel, die mit dem Strafgefängnis Wolfenbüttel in Verbindung gebracht werden können. Einige stellen wir Ihnen hier vor.

Kreis- und Untersuchungsgefängnis Braunschweig

Das 1884/85 errichtete Kreis- und Untersuchungsgefängnis Braunschweig, umgangssprachlich auch Rennelberg-Gefängnis genannt, unterstand dem Strafgefängnis Wolfenbüttel. Im Jahr 2024 wurde das Gefängnis geschlossen.

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Das 1884/85 errichtete Kreis- und Untersuchungsgefängnis Braunschweig, umgangssprachlich auch Rennelberg-Gefängnis genannt, unterstand dem Strafgefängnis Wolfenbüttel. Es diente als zentrale Frauenhaftanstalt im Land Braunschweig und dem Vollzug der Untersuchungshaft sowie kürzerer Haftstrafen. Bis September 1933 wurden dort außerdem Todesurteile mit dem Handbeil vollstreckt.

Im nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungssystem war das Gefängnis für viele Inhaftierte eine Zwischenstation vor einem anderen Gefängnis, einer Hinrichtungsstätte oder einem Konzentrationslager. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es auch von der Wehrmacht und der SS als Haftort genutzt. In den letzten Kriegswochen bis zur Befreiung am 12. April 1945 war das Gefängnis mit mehr als 900 Inhaftierten stark überbelegt.

Anatomisches Institut Göttingen

Aus dem Strafgefängnis Wolfenbüttel wurden zwischen 1939 und 1944 regelmäßig Leichen der Hingerichteten in die Anatomie nach Göttingen gebracht.

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Von 1939 bis 1944 organisierte das Anatomische Institut der Universität Göttingen regelmäßig Leichentransporte von Hingerichteten und verstorbenen Inhaftierten aus dem Strafgefängnis Wolfenbüttel nach Göttingen. In den 217 bekannten Fällen geschah dies ohne die Einwilligung der Betroffenen oder von deren Angehörigen.

Die Institutsdirektoren Hugo Fuchs (Amtszeit: 1919-1942) und Erich Blechschmidt (Amtszeit: 1942-1973) profitierten bereitwillig von den massenhaft vollstreckten Todesurteilen der NS-Justiz. Die Körper der Toten wurden als „Material“ zur Verbesserung der medizinischen Forschung und Lehre betrachtet.

Bei einem Luftangriff am 7. April 1945 wurden das Anatomiegebäude zerstört und belastende Dokumente vernichtet. Im Keller gelagerte Leichname und Präparate bleiben erhalten und wurden nach dem Krieg weiter genutzt.

Welger Maschinenfabrik, Wolfenbüttel

Die Gebrüder Welger Maschinenfabrik aus Wolfenbüttel war auf die Herstellung von Landmaschinen spezialisiert. Während des Zweiten Weltkriegs mussten Straf- und Kriegsgefangene für das Unternehmen in der Rüstungsproduktion arbeiten.

1939/40 wurden zunächst 16 Strafgefangene aus Wolfenbüttel zu Planierungs- und Transportarbeiten in einer Munitionsfabrik herangezogen. Aufgrund des steigenden Bedarfs an Arbeitskräften stellte die Gefängnisleitung dem Unternehmen im Sommer 1944 95 weitere Gefangene zur Verfügung. Sie mussten Artillerie-Fahrzeuge und Vorrichtungen produzieren, die die Produktion von Kampfflugzeugen vorantreiben sollte. Im Hauptwerk wurden bis zu 200 Strafgefangene zu Metallfacharbeiten herangezogen.

Bahnhofsneubau, Firma Karl Schaare Wolfenbüttel

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Die Braunschweiger Firma Karl Schaare Straßen- und Tiefbau erhielt in der NS-Zeit den Auftrag, einen prestigeträchtigen Bahnhofsneubau durchzuführen. Durch den Aufbau der Reichswerke Hermann Göring im heutigen Salzgitter war das Verkehrsaufkommen in der Region deutlich angestiegen. Entstehen sollte der Neubau zwischen dem alten Bahnhof und der Einmündung der Jerxheimer in die Börßumer Bahnstrecke.

Im Juni 1939 wurden etwa 20 Gefangene des Strafgefängnisses Wolfenbüttel für Erdarbeiten beim Bau des geplanten Bahnhofs eingesetzt. Eine unbekannte Zahl von Strafgefangenen musste im Mai und Juni 1942 beim Bau von Bahngleisen im Gebiet der Reichswerke arbeiten. 42 Gefangene leisteten dort im März 1944 Tiefbauarbeiten.

Garnisonsfriedhof Braunschweig

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Auf dem Garnisonsfriedhof in Braunschweig liegen neben verstorbenen Soldaten auch Opfer der NS-Militärjustiz. Otto Kauffelt (1915-1940) wurde am 19. Dezember 1939 vom Wehrmachtsgericht der 191. Division unter anderem wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt und in den Gefängnissen Braunschweig und Wolfenbüttel inhaftiert. Seine Hinrichtung fand am 8. Januar 1940 auf dem Wehrmachtsschießstand in der Buchhorst statt.

Die Bestattung weiterer Wehrmachtsdeserteure auf diesem Friedhof ist wahrscheinlich.

Oda-Werke, Kreisgefängnis Blankenburg

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Im Kreisgefängnis Blankenburg war von Juli bis September 1944 eine Arbeitskolonne von etwa 30 Gefangenen inhaftiert. Die Gefangenen wurden von der Magdeburger Firma Carl Brandt zu Erd- und Transportarbeiten auf der Baustelle der sogenannten „Oda-Werke“ eingesetzt. Die Oda-Werke waren ein Vorhaben, welches die Produktion von Kriegsgerät für Marine und Luftwaffe unter Tage verlagern sollte (Deckname Turmalin). Im Juni 1944 begonnen, sollte die Produktion der Armaturenfabrik Schäffer & Budenberg aus Magdeburg unter Leitung der NS-Bauorganisation Todt verlagert werden.

Im Januar 1945 arbeiteten über 307 überwiegend italienische Strafgefangene in den Oda-Werken, mind. 36 starben während des Arbeitseinsatzes. Noch vor Aufnahme der Produktion wurden die Gefangenen Mitte Februar von der Baustelle abgezogen.

Lager 35, Salzgitter-Heerte

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Das Lager 35 in Heerte bei Salzgitter war die größte Außenarbeitsstelle des Strafgefängnisses. Von August bis Dezember 1942 waren dort insgesamt 1.010 niederländische Strafgefangene untergebracht, die für die Reichswerke Hermann Göring arbeiten mussten. Ihre Arbeitsgebiete lagen vor allem beim Bau der Erzvorbereitung und auf der Hütte Braunschweig, wo sie schwere Erd- und Transportarbeiten leisten mussten.

Aufgrund der katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen stieg die Todeszahl schnell an. Hinzu kamen die Misshandlungen der Gefangenen durch das niederländische Wachpersonal und die deutsche Lagerleitung. Bis zur Auflösung im Januar 1943 sollen nach Berichten der niederländischen Staatsanwaltschaft etwa 280 Menschen in Heerte oder nach dem Rücktransport in das Lager Erika in den Niederlanden verstorben sein. 

Gedenkstätte Wolfenbüttel

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