Verschwunden bei "Nacht und Nebel"

Am 15. Juni wurde in Lichtervelde die Sonderausstellung "Verschwunden bei 'Nacht und Nebel'. Belgischer Widerstand und NS-Terror" eröffnet. Sie erinnert an 17 Männer aus Lichtervelde und Torhout, die am 15. und 16. Juni 1944 im Strafgefängnis Wolfenbüttel und auf dem Wehrmachtsschießstand Buchhorst hingerichtet wurden. Als Teil des belgischen Widerstands hatten sie heimliche Versammlungen abgehalten und Waffen zur Unterstützung der Alliierten versteckt. Nach ihrer Entdeckung wurden sie unter dem „Nacht-und-Nebel“-Erlass ins Deutsche Reich verschleppt und dort zum Tode verurteilt.
Im Zentrum der Ausstellung stehen die 17 Biografien und die Fragen, was Widerstand heute bedeutet und wie Gedenken gestaltet werden kann. Damit regt sie auch zur Reflexion über die Bedeutung von Freiheit und Demokratie in der Gegenwart an.
Die Ausstellung hat die Gedenkstätte Wolfenbüttel zusammen mit der Berliner Historikerin Uta Gerlant anlässlich des 80. Jahrestages der Hinrichtung konzipiert. Sie thematisiert nicht nur das Schicksal der 17 Widerstandskämpfer, sondern auch die lebendige Erinnerungskultur in Lichtervelde.
Aufstehen für Demokratie und Grundrechte

Die Sonderausstellung ist anlässlich des 75. Geburtstages des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland entstanden und nimmt die Wolfenbütteler Demonstrationen für Demokratie und Vielfalt Anfang des Jahres als Ausgangspunkt, die im Grundgesetz garantierten Freiheiten zu feiern. Doch diese Freiheiten müssen immer wieder verteidigt werden.
Der Blick in die Geschichte zeigt, in welchem System wir nicht leben wollen. Das NS-Regime hatte bereits in den ersten Monaten nach der Machtübernahme im Januar 1933 grundlegende demokratische Rechte abgeschafft. Die ideologisch geprägte Justiz leistete dazu einen entscheidenden Beitrag. Menschen wurden aus politischen und rassistischen Gründen ausgegrenzt, verfolgt und ermordet. Aus der Vergangenheit lernen wir, dass es Menschen braucht, die sich für die Demokratie einsetzen und wie wichtig die im Grundgesetz verankerten Freiheiten für eine lebenswerte Gesellschaft sind. In der Ausstellung werden u.a. Plakate der Kundgebungen für Demokratie ausgestellt und deren Gestalter*innen kommen zu Wort.
