Pädagogische Angebote
Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel bietet Workshops und Führungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten an, die an das Thema Strafvollzug im Nationalsozialismus anknüpfen. Eine genaue Übersicht über unsere thematischen Angebote finden Sie hier:
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Modell des Strafgefängnisses Wolfenbüttel © Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel Das Strafgefängnis Wolfenbüttel war seit 1933 eingebunden in das nationalsozialistische Terror- und Vernichtungssystem, für das Justiz und Strafvollzug im Rahmen der “Fassade der Rechtlichkeit” eine wichtige Rolle spielten. Dies begann mit der Inhaftierung politischer Gegner der Nationalsozialisten 1933, setzte sich fort mit der Einrichtung einer der 23 Justiz-Hinrichtungsstätten im Deutschen Reich 1936/37 und kulminierte im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg in einem massiven Anstieg der Hinrichtungen insbesondere ausländischer Zwangsarbeiter*innen und Widerstandskämpfer*innen. In dem Workshop wird diese Entwicklung unter anderem am Beispiel von Täter- und Opferbiographien verdeutlicht.
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Besuch von Angehörigen © Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel Am Beispiel der 1990 eingerichteten Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel lässt sich ausgezeichnet die Entwicklung der Erinnerungskultur in Bezug auf den Nationalsozialismus in der Bundesrepublik Deutschland erschließen. Zu diesem Workshop gehört nicht nur die Vermittlung der Geschichte der Gedenkstätte in dem entsprechenden Kapitel der Dauerausstellung, sondern auch die Darstellung der Auseinandersetzung mit der Geschichte in den Familien der NS-Justizopfer. Der Besuch des nahe gelegenen Friedhofs Lindener Straße mit seinen unterschiedlichen Gedenkorten bildet einen zentralen Teil des Workshops.
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Aufnahme des Hinrichtungsraumes kurz nach der Befreiung 1945 © Tom Goodkind 526 Frauen und Männer sind in der NS-Zeit auf der Basis von Gerichtsurteilen in der Strafanstalt Wolfenbüttel hingerichtet worden, darunter Straftäter*innen wie z.B. Mörder*innen, aber auch Frauen und Männer, die aus politischen Gründen Opfer einer willkürlichen und grausamen Justiz wurden: Sogenannte “Volksschädlinge”, “Gewohnheitsverbrecher”, ausländische Widerstandskämpfer*innen. Bei den ihnen vorgeworfenen Delikten handelt es sich auch heutiger Sicht zumeist um Bagatelldelikte. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Todesstrafe 1949 als klarer Verstoß gegen die Menschenwürde im Grundgesetz abgeschafft worden. Im Rahmen des Workshops werden die genannten Zusammenhänge reflektiert, sodass die Teilnehmenden am Ende zu einem eigenen fundierten Urteil in Bezug auf die Todesstrafe gelangen.
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Gedenktafel zur Widerstandsgruppe Lichtervelde (Belgien) © Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel Im Strafgefängnis Wolfenbüttel wurden zum einen nach dem 30. Januar 1933 politische Gegner der Nationalsozialisten in großer Zahl inhaftiert. Zum anderen spielte das Strafgefängnis eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Widerstandes in den besetzten west- und nordeuropäischen Ländern: Auf der Basis des “Nacht- und Nebel-Erlasses” vom 7. Dezember 1941 wurden ca. 7.000 Frauen und Männer aus Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Norwegen ohne Information ihrer Angehörigen nach Deutschland verschleppt - 700 davon waren in Wolfenbüttel inhaftiert. Zahlreiche Frauen und Männer wurden auf der Basis von Urteilen des Volksgerichtshofes in Wolfenbüttel hingerichtet. Das Schicksal dieser ermordeten, aber auch von überlebenden Widerstandskämpfer*innen steht im Mittelpunkt des Workshops.
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Titelblatt einer Zeitschrift zu den Frankfurter Homosexuellenprozessen 1950/51 © Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel Der §175 StGB stellte zwischen 1872 und 1994 homosexuelle Handlungen zwischen Männern in unterschiedlicher Härte unter Strafe. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz variierte stark. Während es in der Weimarer Republik erste Liberalisierungsversuche gab, verschärften die Nationalsozialisten 1935 den §175 deutlich: Schon leichte Berührungen oder Blicke wurden strafbar. Neben Gefängnis drohten KZ-Haft, Zwangskastration und medizinische Experimente. In der Bundesrepublik wurde der Paragraph übernommen und erst 1994 endgültig abgeschafft. Dieser interaktiv gestaltete Workshop behandelt die strafrechtliche Entwicklung und den öffentlichen Diskurs zu Homosexualität anhand ansprechender visueller Medien.
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Kubus der Erinnerung auf dem Städtischen Friedhof Wolfenbüttel © Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel Auf dem 1878 eingeweihten städtischen Hauptfriedhof an der Lindener Straße in Wolfenbüttel befinden sich Gräber für Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft. Im Zentrum dieser Führung steht das Gräberfeld 13a, auf dem neben einem sowjetischen Denkmal auch in den Boden eingelassene Plaketten an die hier bestatteten Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen erinnern. Neben Grabkreuzen für die Hinrichtungsopfer aus dem Strafgefängnis befindet sich hier der “Kubus der Erinnerung”. Dieser verweist auf die Opfer nationalsozialistischer Justiz, deren sterbliche Überrechte an das Anatomische Institut der Universität Göttingen abgegeben wurden und deshalb kein Grab haben. Im Rahmen eines Besuches des Hauptfriedhofs bieten sich verschiedene Anknüpfungspunkte für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Erinnerungskultur.
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Gedenkstele in der Buchhorst © Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel In der Buchhorst, einem Waldgebiet nahe Braunschweig-Riddagshausen, befindet sich ein militärischer Schießübungsplatz, der 1876 angelegt und bis 1962 genutzt wurde. Während des Nationalsozialismus richtete die Wehrmacht im nördlichsten der elf erhaltenen Kugelfänge mindestens 25 Soldaten und Zivilisten hin. Diese waren von der Militärjustiz bzw. dem Volksgerichtshof als Deserteure oder Widerstandskämpfer zum Tode verurteilt worden. Aus dem Strafgefängnis Wolfenbüttel wurden drei Soldaten für ihre Hinrichtung in die Buchhorst transportiert, deren Biographien und Schicksale im Rahmen dieser Führung vorgestellt werden.
Weiterführende Informationen
Auch andere Schwerpunkte können mit dem Padägogik-Team der Gedenkstätte abgesprochen werden. Neben den thematischen Workshops sind auch kürzere Führungen möglich.
Die oben angeführten Informationen finden Sie zusammengefasst auch in unserem Pädagogik-Flyer.
